Åland (12.-19.5.2007)

Nachdem mein Kollege Kurt und ich bereits einige male in Irland waren wollten wir dieses Jahr eine neue Destination entdecken und haben uns nach einigen Abklärungen für Åland entschieden.
Den Ausschlag gaben die dort vorkommenden Meerforellen, für uns Binnenländler eine neue Herausforderung.

Åland (gesprochen Oland) ist eine Inselgruppe im Bottnischen Meerbusen gelegen, zwischen Finnland und Schweden. Es gehört als autonome Provinz zu Finnland, die 26'000 Einwohner sprechen jedoch Schwedisch.
Nach diversen Rundfragen im Forum, beim Veranstalter "Fishermen Travel Club" und bei Kuki, dem Angelgerätehändler meines Vertrauens, haben wir uns mit diverse Wobblern und Schlepplöffel in den Farben Blau/Silber, Grün/Silber und Grün/Orange eingedeckt.
Um es vorweg zu nehmen, diese Kombinationen stellten sich auch tatsächlich als die fängigsten Farben heraus.

Am Samstag sind wir am Morgen mit Finnair von Zürich nach Helsinki geflogen.
Nach kurzem Stop brachte uns Air Åland an unser eigentliches Ziel den Flughafen von Mariehamn auf der Hauptinsel.
Sonja der gute Geist vom Björklidens Stugby erwartete uns bereits und fuhr uns zur 17 Km entfernten Unterkunft.
Unser Haus war rasch bezogen.
Es lag nur 20 Meter von der Hafenanlage entfernt, die leichten Kunststoffboote machten einen guten Eindruck. Wie sich später herausstellte wurden sie von Rune, dem Besitzer auch gut gewartet, der Motor hat uns nicht einmal im Stich gelassen.
Da es erst 21 Uhr war und die Sonne noch nicht untergegangen war wollte Kurt unbedingt noch kurz Angeln gehen.
Wir fuhren mit unserem Boot in eine nahe gelegene Bucht wo wir kurz unsere Köder tauchten, leider ohne Erfolg. Der 10 PS Motor brauchte uns in rasanter Fahrt zurück wo wir müde in die, allerdings etwas schmalen Betten fielen.


Sonntag
Wir bezogen die Gewässerkarte welche das umfangreiche Fischereigebiet und die diversen Schutzzonen aufzeigte. Eine verkleinerte Darstellung davon, habe ich mit rosa Zahlen für die Hotspots versehen.

Bei schönstem Sonnenschein erhielten wir als erstes von Thord, dem Sohn des Besitzers, eine Einführung in die südlichen Gewässer und eine Unterrichtung in die Angelvorschriften.
Ein kurze Zusammenfassung davon:
- Mindestmasse: Hecht 50cm, Meerforelle 50cm, Lachs 60cm
- Lebendköder sind erlaubt
- Hegene ist erlaubt, darf auch geworfen werden
- Schleppen nur mit einer Rute pro Person, Rute muss in der Hand gehalten werden (keine Rutenhalter)
- Scherbretter, Seehunde sind nicht erlaubt

Nach der zwei stündigen Besichtigung, fuhren wir selbständig in die südlichen Bereiche um die Insel Borgö und schleppten auf Meerforellen. Diese machten sich jedoch rar.
Ein Hecht so um 60 cm (released) und zwei Egli (Barsche) retteten uns jedoch vor dem Schneider.



Montag
Der Montag zeigte sich bewölkt und windig.
Wir fuhren diesmal schleppend in nördlicher Richtung. Nach etwa einer Stunde ohne Biss, setzte starker Regen ein. Als wir schliesslich Brändö umrundet hatten wurden die Wellen immer höher und zwangen uns zur Umkehr.
Um etwa 16 Uhr waren wir zurück in unserer Unterkunft und tröstete uns mit einem Glas Weisswein.
Wir beschlossen Mariehamn zu besichtigen und dort etwas zu essen.
Thord betreibt das bislang einzige Karaoke-Taxi von Åland, so liesen wir uns von Ihm zur Hauptstadt chauffieren und später wieder abholen allerdings ohne das wir zwei gesungen hätten.
Mariehamn hat rund 11'000 Einwohner, und ist auf zwei Seiten vom Meer umgeben. Das Zentrum bildet eine kleine Shopping-Strasse, da ohne weibliche Begleitung hatten wir diese in knapp 30 Minuten besichtigt.
Wir speisten im Restaurant Indigo, was sich als kulinarischer Höhepunkt herausstellte. Vom gediegenen Ambiente, Essen und Service waren wird durchwegs positiv überrascht.


Dienstag
Neuer Tag, neues Glück. Das Wetter war wie ausgewechselt, leichter Wind von Süden, blauer Himmel kündigte sich an.
Wir fuhren um 6 Uhr früh gegen Süden und schleppten unsere Rapalas. Bei einem kurzen Spinnstop konnten wir den ersten Hecht überlisten.
Die Meerforellen machten sch noch immer rar. Noch einen weiterer Hecht und 4 Egli konnten wir an diesem Morgen verführen, mehrheitlich auf blau-weisse Wobbler.
Gegen 11 Uhr trieb uns der Hunger zur Anlage zurück wo wir ein verspätetes Frühstück einnehmen wollten.
Kurz vor unserem HAfen holten wir unsere Wobbler ein und da geschah es, meine Rute wurde mit einem starken Ruck nach hinten gezogen. Ich erschrak mords mässig weil ich überhaupt nicht mehr mit einem Biss gerechnet hatte.
15 Meter hinter dem Boot spritze es an der Wasseroberfläche. Wohl wieder ein Hecht dachte ich.
Etwas später erkannte Kurt als erster das es sich um unsere lang ersehnte erste Meerforelle handelte. Ganz vorsichtig drillte ich daraufhin weiter, die Forelle wickelte sich immer wieder in das Vorfach hinein. Trotz der starken Strömung landete die Forelle nach etwa 10 Minuten beim ersten Versuch im Kescher.
60 cm zeigte das Massband und 2.9 Kg die Waage, ich war glücklich (sieht auf dem Foto wohl nicht so aus, aber glaubt es mir ich wars).
Gefangen habe ich sie mit einem 11cm Rapala floating, Barsch-Dekor, geflochtene Schnur mit 2 Meter Fluorocarbon 0.3 mm Vorfach.

Am Nachmittag fingen wir nochmals einige Egli (Barsche) beim schleppen, darunter auch einige Exemplare gegen 30 cm.


Mittwoch
In der klaren Nacht war es minus 6 gewesen, um 9 Uhr herrschten jedoch bereits wieder "angenehme" 12 Grad.
Wir wollten diesmal die nördlichen Gebiete intensiver befischen und entschieden uns in rascher fahrt bis zum Bovik (auf der Karte die rosa Punkte 1 und 2) zu fahren. Nahezu mit Vollgas (17 KM/H) braucht man dafür rund eine Stunde.

Die Einfahrt in den Bovik ist höchsten 2-3 Meter tief und das Wasser war dort wärmer, als weiter im Arm innen, entsprechend erhielten wir viele Bisse von allerdings meist keineren Hechten die wir alle zurück setzten. Es überraschte uns immer wieder auf wie grosse Wobbler sich auch kleinste Egli's hermachen.
In der Bucht (mit rosa 2 markiert) herrschte praktisch kein Wind wir ankerten und ich wollte unbedingt meine Würmer noch ins Wasser bringen. Was gibt es schöneres als einem Zapfen zu zuschauen und dabei genüsslich die belegten Brote verzehren welche Kurz am Morgen vorbereitet hatte.
Es gab jedoch bald zu tun weil der Zapfen plötzlich weg war, will heissen ich hatte mich mehr aufs Essen als auch den Zapfen konzentriert, und den Biss nicht mit bekommen. So fing ich innert kurzer Zeit 3 Egli (Barsche).
Kurt wollte heute keine wurmigen Finger und montierte eine Hegene an seine leichte Spinnrute. Kurz darauf hatte er meine drei gestreiften schon überboten. Die Barsche bissen wirklich herzhaft auf die Nuggi-Hegene und sogar ein Hechtlein konnte den farbigen Plastik-Schläuchen nicht wiederstehen.
Wir probierten noch zwei weitere Plätze im oberen Bereich aus und konnten jeweils noch einige Barsche fangen. Wir hatten Egli mit Hegene und beim schleppen gefangen, komischerweise noch kein einziges beim Spinnfischen.
Auf dem Rückweg schleppten wir noch einen weiteren Seitenarm ab (auf obiger Karte die rosa Nr. 3), ein sehr idyllisches Plätzchen. Wir konnten darin allerdings nur ein einziges Egli fangen, dafür mit 33 cm das grösste unserer ganzen Woche.
Wo Licht ist, ist auch Schatten, am Abend galt es die fast 50 Barsche zu filettieren.



Donnerstag
Wir hatten mit Thord ein halbtägiges Guiding vereinbart in die nördlichen Abschnitte.
Mit seinem grossen (bezogen auf den Motor) Boot war wir rasch an den interessanten Stellen. Er ruderte das Boot an diversen Schilfbänken vorbei und wir konnten uns ganz aufs Spinnen konzentrieren.
Riesen fingen wir keine aber einige schöne Hechte bis etwa 65 cm fangen.
Wie an den Vortagen erwiesen sich Wobbler in Blau-weiss und Grün-weiss als besondert fängig. Ich bin ein richtiger Fan der Rapala X-Rap (11cm) geworden, die fliegen wirklich weit und lassen sich variantenreich führen.

Übrigens konnte ich tatsächlich mit einem Meps Nr. 4 noch ein Egli beim Spinnfischen fangen.

Das Wasser ist leicht salzhaltig, es empfiehlt sich am Abend die Köder jeweils mit Süsswasser zu spülen. An diesem Abend habe ich es vergessen, oben erwähnter Meps Spinner war am nächsten Morgen total verrostet, ich konnte nur noch den Drilling abtrennen.

Am Abend haben wir noch die Sauna genossen und uns anschliessend ins kalte Wasser gestützt und ich sage es euch es war wirklich kalt.


Freitag
Vor unserer Heimreise wollte ich unbedingt einmal baltische Heringe probieren.
Von einigen tschechischen Gästen wussten wir das sie ausschliesslich mit lebenden Heringen auf Hecht angelten, wir haben sie also befragt wo sie ihre Heringe her bekommen.
Sie haben uns die Autobrücke empfohlen, nur etwa 2 Minuten von der Unterkunft entfernt liegt.
Dort angekommen haben wir mit einer Felchen- und eine Egli-Hegene inner kurzer Zeit 30 Heringe gefangen, manchmal waren alle fünf Seitenärme mit Fischen besetzt.

Aufpassen musste man allerdings weil Angler von oben auf der Brücke ihre Montagen runter warfen und so rund ums Boot wie kleine Bomben die Bleie einschlugen.

Da wir nicht so viele Heringe essen wollten, entschieden wir uns einige zum Hechtfischen zu verwenden.
Nahe der Anlage (rosa Punkt 6.) habe wir uns einen Schilfgürtel gesucht bei dem das Schilf weit ins Wasser hineinreichte und eine Tiefe von etwa 2 Meter vorherrschte. Was wir dann erlebten, hätte ich nicht für möglich gehalten. Mit Zapfen und Hering fingen wir inner 2 Stunden 10 Hechte und das nur mit einmaligem verschieden des Bootes.
Später haben wir noch drei weitere Buchten ausprobiert und in jeder mindestens einen Fang gemacht.
Dies zeigte uns eindrücklich was für ein riesiger Hechtbestand vorhanden sein musste. Insgesamt haben wir 4 Hechten entnommen.
Erwähnen möchte ich noch die Seeschwalbe die sich auf meinen Hering gestürzt hat und erst los lies als sich die ganze Montage in die Luft gezogen hatte.
Gegen 15 Uhr schleppten wir nochmals eine Runde gegen Süden und erhielten um 16 Uhr tatsächlich noch einen Biss einer Meerforelle, leider war sie mit geschätzten 45 cm zu klein und darf weiter schwimmt bis nächstes Jahr.
Die restlichen Heringe liessen wir uns am Abend schmecken, ausgenommen, geschuppt und in Oel knusprig gebraten wirklich eine Delikatesse.


Samstag
Früh morgens um 5 Uhr traten wir die Rückreise an. Die Flugzeiten erlaubten uns in Helsinki eine Stadtbesichtigung. Bei schönstem Wetter besuchten wir den Markt am Hafen und bummelten durch das Zentrum der finnischen Hauptstadt.
Mit dem Buss ging es um 14 Uhr wieder zurück zum Flughafen und nach einem verschlafenen Flug waren wir in Zürich wo uns unsere Frauen bereits erwarteten.

Åland hat uns in allen Belangen gefallen.
Die freundlichen Leute, das mehrheitlich gute Wetter und die vielfältigen Möglichkeiten bieten wirklich für jeden Fischer etwas.