Angeln in Namibia
Im November 2007 war ich mit einer Gruppe von Kollegen auf einer Rundreise durch Namibia. Nach einigen erlebnisreichen Tagen im landesinneren erreichten wir mit dem Zug Swakopmund wo wir 3 Tage verbringen wollten.
Am Bahnhof angekommen empfing uns eine frische Brise vom Atlantik. Welch ein Unterschied zu den vorherigen Tagen als das Thermometer locker 35 Grad erreichte. Bereits im Vorfeld hatte ich bei unserem Schweizer Hotelier eine Tagestour mit dem Boot auf dem Meer organisiert. Zwei meiner Kollegen, die sonst nicht angelten, wollten mich begleiten währen der Rest einen Rundflug über die Dünen gebucht hatte.


Früh (relativ) aufstehen was angesagt. Nach dem Frühstück wartete unser Guide von Aquanaut-Tours bereit an der Reception.
Mit dem Jeep ging es zum Hafen von Swakopmund wo wir mit 2 Holländern zusammen das Boot bestiegen. Ein wenig beengt fühlte ich mich schon mit 5 Angler und 2 Mann Besatzung auf dieser Nusschale.


Wir fuhren etwa 10 Kilometer nördlich der Küste entlang bis zu unserem ersten Ankerplatz. Sicherlich 500 Meter vom Ufer entfernt lagen wir vor Anker und trotzdem betrug die Wassertiefe nur 7 Meter. Der Kapitän erklärte uns, dass die meisten Fischen zwischen 4 und 10 Meter gefangen würden, er hätte noch nie etwas gefangen tiefer als 15 Metern.

Die Montagen mit Grundblei und einem Seitenarm waren rasch mit Streifen von gefrorenen Sardinen bestückt. An gestreckter Leine hiess es nun warten auf Bewegung. Zu beginn wurden unsere Köder einige male abgefressen weil wir zu langsam waren oder gar nichts bemerkten. Einer meiner sonst nicht angelnden Kollegen fing den ersten Fisch, einen Wels der einem Hai ähnelt und giftige Brust- wie auch Rückenflossen hat. Der Kapitän übernahm das abhaken. Danach folgten noch zwei, drei gleiche Exemplaren bis der erste „Salmon" folgte. Bei diesem "Salmon" handelt sich nicht um einen Lachs sondern um einen wohl schmeckenden Barsch, keine Ahnung warum sie Cap Salmon genannt werden. Ein 2-3 Kilo schweres Exemplar lieferte mir einen schönen Drill.

Immer wieder wurden unsere Köder vom Haken gefressen sodass wir uns zeitweise eher auf einer Fütterung wähnten. Der Leitspruch unseres Kapitäns "When you think it's a fish it's not a fish, when you know it's a fish then it is on" half da auch nicht wirklich weiter.

Der kurioseste Fang des Morgens blieb meiner Wenigkeit vorbehalten. Wieder mal spürte ich was ganz leichte an der Rute, Anschlag und rasch gekurbelt. Ich staunte nicht schlecht als eine kleine Languste dran war. Im eigentlichen Sinne gehackt war sich nicht aber sie lies den Köder einfach nicht mehr los auch nicht als sie ins Boot gehoben wurde. Ihr Pech !

Der Bootsführer hat regelmässig den Platz gewechselt wenn keine Bisse mehr zu verzeichnen waren. Dabei viel uns die in Namibia herrschende und für uns fremde „Arbeitseinteilung“ auf. Der weisse Kapitän steuert das Boot und der schwarze Bootsjunge (so jung war er allerdings nicht) setzt und holt Anker ein.

Wir wechselten zu einem Platz näher zur Brandung hin. Während wir zu Mittag assen brachte die Besatzung zwei Leinen mit halben Fischen dran aus. Jeweils mit einem Luftballon in etwa 2 Meter Tiefe gehalten sollten Sie uns den ersten Hai bringen. In Namibias Gewässern kommen verschiedene Haiarten vor, der von Anglern am meisten begehrte ist der Bronze Hai, der Gewichte über 100 Kg erreichen kann.

Bereits nach kurzer Zeit explodierte ein Ballon und die Rolle knarrte los. Leider nur für etwa 20 Sekunden dann war die ganze Montage ab. Schade irgendwo war wohl eine Schwachstelle gewesen.

Ein weiterer Platzwechsel brachte leider auch keinen Erfolg mehr. Wir wollten noch einen letzten Hotspot anfahren und danach abbrechen.

Keine 10 Minuten nachdem die Ballone ausgebracht waren kam der Biss. Einer der holländischen Mitangler konnte den Hai in etwa 5 Minuten ans Boot drillen. Der knapp 20 Kilogramm schwere „spotted shark“ wurde an der Schwanzflosse ins Boot gehoben. Abhacken, ein Photo und zurück ging er. Kaum umgedreht biss an der zweiten Angeln wieder was, einer meiner Kollegen war an der Reihe. Bald war klar dass der Gegner von ähnlichem Kaliber sein musste. Als Nichtangler hatte mein Kollege schon ziemliche Mühe speziell weil der gehackte mehr als einmal unter dem Boot hindurch tauchte. Zum Schluss war jedoch auch er auf Foto gebannt.

Mit den letzten zwei Ballonen wurden nochmals halbe Fische ausgelegt. Eine Viertelstunde später nahm mein Ballon fahrt auf, etwas warten mahnte der Kapitän. Nachdem der Ballon das Boot fast zur Hälfte umrundet hatte setzte ich den Anhieb. Lange schien mein Gegenüber nicht Müde zu werden. Mir schmerzten bereits die Hände und Arme, ein herrliches Gefühl. So 10-12 Minuten wird es wohl gedauert haben bis der Hai neben dem Boot war. Mit ihrer Sandpapier ähnlichen Haut sind sie unheimlich gut zum fassen, so war auch meine Diva rasch abgelichtet.
Wir brachen den Ausflug darauf hin ab und fuhren mit Vollgas zum Hafen zurück. Das Boot sollte dort auf einen Trailer verladen werden, dazu musste es rückwärts gegen den Sandstrand gewendet werden.

Diesmal brachte uns die namibische Arbeitsteilung zum Schmunzeln. Unser schwarzer Bootsjunge hätte ins Wasser steigen sollen und das Boot zum Strand zu ziehen. Ich muss noch erwähnen das Wasser war schweine kalt. Der Kapitän brachte es wegen der ständigen Brandung nicht fertig das Boot bis ins knietiefe Wasser zu fahren.
Der Bootsjunge jedoch musste und wollte offensichtlich nicht ins Wasser wenn es mehr als bis zu den Knien reichte. Dem Kapitän bliebt nicht anderen übrig als selber ins Wasser zu steigen und das Boot raus zu ziehen, sobald ihm das Wasser nur noch bis zu den Knien reichte bekam er Hilfe von zwei schwarzen Hafenarbeitern, die offensichtlich denselben Vertrag hatten wie unser Bootsjunge. Zum Nachtessen liessen wir uns unsere Cap Salmon's schmecken.
En Guete !